Die Geschichte des ALPA Short-Barrel-Konzeptes

03.2019 - Bereits im Jahr 2007 hat ALPA das Short-Barrel-Konzept eingeführt. Wie kam es dazu und was waren die massgeblichen Aspekte für diesen Entscheid?


Die Geschichte dahinter

Im Rahmen einer Consultinganfrage besuchte ALPA im Juni 2007 die Bibliothèque Nationale de France in Paris, um bei der Evaluation einer Nachfolge deren Sinarcam 23 zu helfen. Die BNF plante dabei eine möglichst optimale Ausnutzung der in Frage stehenden Digitalrückteile von Hasselblad oder Sinar und grösstmögliche Megapixelausbeute. Nebst Multishot-Rückteilen war deshalb eine äusserst präzise Stitchingmöglichkeit und Planeität gefordert und deshalb waren die ALPA 12 XY und ALPA/Schneider Apo-Digitare mit elektromechanischen Zentralverschlüssen bereits gesetzt.

Aufgrund der Arbeitsabstände und der grossformatigen Originale wollte die die BNF das ALPA / Schneider Apo-Digitar 5.6/120 mm als eines ihrer Hauptobjektive einsetzen. Bei einem 4-fach-Stitch wurde der Bildkreis von 110 bis 120 mm theoretisch ausgereizt. Es kam jedoch geometriebedingt zu einer mechanischen Vignettierung. Da dieser Effekt bei Weitwinkelobjektiven nicht auftrat, galt es entsprechende Lösungen zu erarbeiten. Hierbei entstand das Short-Barrel-Objektiv-Konzept.


Das Konzept

Was ändert sich nun aber, wenn ein Objektivtubus gekürzt und das komplementäre Element rückseitig montiert wird? Die nachstehende grobe Skizze zeigt die Grundproblematik. In Standardkonfiguration liegt der Sensor sehr nahe beim Kamerabody. Der freie Durchlass ist bei technischen Kamera nicht unendlich. Wird nun das Rückteil stark vershiftet, so schattet der Kamerabody einen Teil des Sensors ab. Wird nun der Sensor aufgrund des weiter hinten platziert, so wird diese Abschattung substanziell verringert und die Ausnutzung des Bildkreises für die BNF optimiert. Ganz im Sinne der Systemmodularität von ALPA wurden die ersten Objektive, wo baulich möglich, um 34 mm gekürzt als SB34 angeboten, da bereits Makrotuben von 34 mm Länge verfügbar waren.

Bei der Recherche stiess auf die sogenannten «Short-Barrel»-Objektive der Mamiya RZ67. Bei diesem Typ kürzte Mamiya ebenfalls den Objektivtubus. Hierbei sollte jedoch lediglich Platz für ein Shift-/Tilt-Modul geschaffen werden, das optional verwendet werden konnte. Als Reminiszenz an diese RZ-Lösung nannte ALPA das Konzept ebenfalls «Short Barrel». ALPA lieferte erste SB34-Objektive ab Mitte 2007 aus.

Zur Photokina 2008 stellte ALPA sodann auch Tilt-/Swing-Module vor, welche sich des SB-Konzeptes bedienten. ALPA-Benutzer konnten inskünftig sehr ökonomisch ein einziges Tilt-Element für jegliche SB34-Objektive verwenden und mussten dies nur einmal erstehen. Später hat ALPA die Gruppe der SB-Objektive mit kürzeren Schnittweiten auf SB17 erweitert. Auch hier konnte der Benutzer bestehende Elemente, wie Makrotuben weiter verwenden und auch kombinieren. Heute können so 17mm-Makrotuben und Tilt-/Shift-Module kombiniert und flexibel eingesetzt werden. Das für 2019 geplante ALPA / Rodenstock HR Alpagon 6.3 / 138 mm wird dieser Philosophie folgend, als SB51 (34+17 mm) angeboten werden.





Gut zu wissen

Die allerersten Short Barrel-Objektive waren die SB34, da der entsprechende Makrotubus schon existierte. ALPA hat nämlich 2004 ein komplettes Set an Verlängerungstuben für Nahaufnahmen eingeführt. Dieses Set umfasste initial Tuben von 6.5 mm, 16 mm, 34 mm und 52 mm Länge, welche optimal auf die vorhandenen Schneckengänge von Schneider und Rodenstock abgestimmt waren. Die alten Ausführungen sind durch lange, SWA-ähnliche Verriegelungshebel gekennzeichnet.

ALPA hat das SB-Konzept in der Folge auch erfolgreich um Tilt-/Swing-Module von 34 mm mit bis zu 12° Neigung ergänzt. Aufgrund des Erfolges und weiterer Kundenwünschen hat ALPA sodann das Konzept auf andere Objektive übertragen. Nicht alle Brennweiten erlauben jedoch eine Kürzung der Tuben um 34 mm. Es zeigte sich, dass bis auf wenige, sehr kurzbrennweitige Objektive mit kleinem Bildkreis (HR Alpagon 23, 28 und 35) eine SB17-Version ebenfalls möglich war. Somit liessen sich auch zwei 17 mm-Elemente für die SB34-Objektivtuben ökonomisch kombinieren.

Dies führte in der Folge zur Vereinheitlichung der Makrotuben auf 6 mm (als kürzeste, fertigbare Erweiterung und nahtlosem Anschluss an den Auszug der Standardschneckengänge, den 17mm-Elementen (2 x 17 mm = 34 mm) und neu 51 mm-Tuben (3 x 17 mm oder 1 x 34 mm plus 1 x 17 mm).


Wichtige Ausnahmen

Die älteren 16mm-Tuben sind somit NICHT vollständig kompatibel mit dem aktuellen SB-Konzept, da sie um einen Millimeter zu kurz sind. Sie können natürlich weiterhin als Verlängerungstuben verwendet werden. Der fehlende Millimeter lässt sich auch durch zusätzlichen Auszug an der Schnecke kompensieren, wobei natürlich die Distanzskalen nicht mehr passen.

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