Bau mit Signalwirkung

04.2018 - Das Gebiet um den Zürcher Escher-Wyss-Platz hat mit dem Bezug des Geschäftsgebäudes neben dem Theaterhaus Schiffbau einen weiteren Wandel hin zum gemischten Quartier vollzogen. Direkt neben dem letzten verbliebenen Maschinenbetrieb im ehemaligen Industriezentrum der Stadt ist ein Geschäftshaus nach den Plänen der Architekten Jens Bohm und Vittorio Magnago Lampugnani entstanden, das sich durch seine Ausgestaltung auch von den anderen neueren Gebäuden im näheren Umkreis abhebt.

„Ein Bau dieser Qualität würde man eher in einem vornehmeren Quartier Zürichs erwarten statt im Kreis 5“, sagt Seraina Wirz. Sie leitet das Atelier für Architekturfotografie in Zürich. und hat das Gebäude im Auftrag der Bauherren mit ihrer ALPA dokumentiert. Ihr Wohnort ist nicht weit vom Objekt entfernt. „Deshalb war der Auftrag für mich besonders spannend."




Das Treppenhaus vebindet die verschiedenen Räume und erlaubt Blicke in den Innenhof sowie auf die Nachbarschaft. © Seraina Wirz



Die Räume zeichnen sich ebenfalls durch Transparenz und die Sicht auf das Quartier mit seinen unterschiedlichen Gebäuden aus. © Seraina Wirz


Blick auf die Hardbrücke und den Verkehr, der auf sowie unter ihr durch die Stadt zieht. © Seraina Wirz


Aussicht vom Dachgeschoss auf den Prime Tower. © Seraina Wirz



Elemente der Industriebauten bilden Konstraste zu neueren Gebäuden. © Seraina Wirz


Blick von den Büroräumen in den Innenhof des Gebäudes. © Seraina Wirz




Blick zwischen Geschäftshaus und Schiffbau Richtung Hardbrücke. © Seraina Wirz


Gestitchte Bilder

Einer der wichtigsten Aspekte ihrer Arbeit ist für Seraina Wirz die Zusammenarbeit mit den Architekten. Vieles hänge von der ersten gemeinsamen Besichtigung des Gebäudes ab, bei der die möglichen Einstellungen durchgegangen und die Eigenheiten des Baus erläutert werden. „Es geht bei der Architekturfotografie immer mehr um die Architektur als um die Fotografie“, sagt Seraina Wirz. „Das ist meiner Meinung nach ein zentrales Qualitätsmerkmal und wenn man gute Fotografien genau betrachtet, merkt man den Unterschied deutlich.“

Die Bilder zur Dokumentation des Geschäftshauses an der Schiffbaustrasse 2 entstanden mit der ALPA 12 MAX in Kombination mit ALPA / Rodenstock-Objektiven mit Brennweiten von 40 mm und 32 mm. Die ALPA 12 MAX ist die Nachfolgerin der ALPA 12 XY und wurde wie diese für die Architekturfotografie entwickelt. Eine der Eigenschaften, auf die Seraina Wirz regelmässig zurückgreift, ist das Stitchen von Panoramabildern. Auf diese Weise ist zum Beispiel die Fotografie des Treppenhauses im Geschäftshaus entstanden. „Das zusammengefügte Bild bietet einen Eindruck von der Offenheit und Dimension des Gebäudes, der auf einer einzelnen Fotografie schwierig zu zeigen ist“, sagt sie.


Quartier aus unterschiedlichen Welten

Die Transparenz ist ein zentrales Merkmal. Wer hier arbeitet oder sich aufhält, dem öffnen sich Einblicke in den Innenhof und nach aussen. Die nähere Umgebung des Geschäftshauses wird bestimmt durch eine sehr unterschiedliche Nachbarschaft. An der Ostseite grenzt es an den Schiffbau mit seinen Räumen für Theaterschaffende, Konzertbesucher und Gastronomie. Gemeinsam schmiegen sich die beiden Bauten an eine mächtige Platane und bilden mit ihr den Umriss eines neuen öffentlichen Platzes. Gegen Westen hin grenzt mit der riesigen Halle von MAN Turbo der letzte verbliebene Betrieb der Maschinenindustrie an das Geschäftshaus. An der Stirnseite zieht der Verkehr auf der Hardbrücke und den darunterliegenden Tramgeleisen vorbei. In der näheren Umgebung befinden sich ältere Gebäude, in denen sich Restaurants, Nachtclubs, Büros und Läden niedergelassen haben, aber auch moderne Wohnhäuser und andere Geschäftshäuser wie der Prime Tower. Es sind unterschiedliche Welten, die aufeinanderprallen und die Entwicklung des Quartiers ist nicht abgeschlossen.

Für Seraina Wirz stellt sich die Frage, welche der Neubauten sich in das Stadtbild integrieren und welche Fremdkörper bleiben. Das Geschäftshaus sieht sie als Bereicherung, weil es Angebote für die Bewohner wie Kindergarten oder Restaurant biete und sich durch seine durchdachte Gestaltung auszeichne. „Gute Architektur hängt für mich immer von den Details ab. Steckdosen, Lichtschalter oder Handläufe können ein Projekt abrunden oder abwerten. In dieser Hinsicht überzeugt das Gebäude, unter anderem durch die Verwendung von ausgesuchten Materialien. „Daneben ragt auch die grosszügige Raumgestaltung, die Offenheit und Transparenz hervor. Am besten verkörpert dies das Treppenhaus, ein zentraler und offener Ort, an dem die Räume zusammenfliessen und das gleichzeitig der Blick quer durch den Bau und die Aussenwelt freigibt.“


Eine Vorlage für weitere Bauten

Nach oben hin abgeschlossen wird das Geschäftshaus von der Dachterrasse mit ihren Arkadengängen. Sie erlaubt überlagernde Blicke auf die Umgebung: „Ein unfertiges Gebiet in einer Stadt, die eigentlich fertig gebaut ist“, wie Seraina Wirz in Anlehnung an eine Aussage des Berliner Architekten Hans Kollhoff sagt. Das Geschäftshaus gebe in diesem Zusammenhang eine Richtung vor für kommende Objekte, einen Impuls. „Es wird interessant zu sehen sein, ob dieser Impuls von anderen Architekten für das Quartier aufgenommen wird.“


Links
Website Atelier für Architekturfotografie afaf
Fotografenseite Seraina Wirz
Portfolio "Schiffbauplatz Zürich" - afaf"
ALPA 12 MAX
ALPA / Rodenstock HR Alpagon 4.0/32mm, LB
ALPA / Rodenstock HR Alpagon 4.0/40mm, LB
Website Baukontor Architekten




©Seraina Wirz

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