The Eagle Has Landed

07.2019 - Am 20. Juli 2019 jährt sich zum 50. Mal die erste bemannte Landung auf unserem Trabanten. Diese technische Höchstleistung stellt einen Meilenstein in Technik und Wissenschaft dar. Deshalb verwundert es nicht, dass einige der während den Missionen verwendete Geräte zu Ikonen wurden, waren sie doch jeweils die ersten ihrer Art im Rahmen der bemannten Erkundung des Erdmondes: Aus fotografischer Sicht ist die Hasselblad Mittelformatkamera mit Optiken von Carl Zeiss allseits bekannt und hat uns so unvergessliche Bilder, wie «Earthrise» von Apollo 8 beschert. Und wer kennt nicht die OMEGA Speedmaster Professional, die «Moonwatch», die auch als Retter in der Not fungierte. So etwa ersetze Armstrongs Speedmaster die ausgefallene Borduhr der Apollo-Mondlandefähre oder als eine Omega als Navigationshilfe bei der Odyssee der Apollo 13 Verwendung fand. Die Speedmaster gilt als die meist getestete Uhr der Welt.


Hasselblad Apollo 70 mm Camera

NASA: Neil Armstrong, EVA-Simulaton April 1969, Apollo 11
NASA/Bill Anders: "Earthrise", 24 Dec 1968, Apollo 8



OMEGA Speedmaster Professional

NASA: Buzz Aldrin im Lunar Modul, Apollo 11
NASA: Buzz Aldrin auf der Mondoberfläche (erste Uhr auf dem Mond), Apollo 11




SWC - The Swiss Flag
Aus wissenschaftlicher und dokumentarischer Sicht waren jedoch noch zwei weitere Schweizer Beiträge von Interesse. Das erste ist as «Solar Wind Composition (SWC) Experiment» stellte das einzig nicht-amerikanische Experiment der Apollo-11-Mission dar. Dieses Experiment mit Sonnenwindsegel wurde massgeblich von Johannes Geiss und Peter Eberhardt vom Physikalischen Institut der Universität Bern, sowie Peter Signer von der ETH Zürich vorgeschlagen, konzipiert und ausgewertet.


Solar Wind Composition (SWC) Experiment

NASA: Sonnenwindsegel mit Lunar Modul, Apollo 11
NASA: Sonnenwindsegel mit Buzz Aldrin und Lunar Modul, Apollo 11




Switar-Objektive auf dem Mond
Und der zweite Beitrag? Weniger bekannt sein dürfte, dass die beiden Filmkameras an Bord von Apollo 11 mit Switar-Objektiven von Kern Aarau (Kern & Co. AG, Aarau) ausgerüstet waren. Kern stellte für die 35 mm-ALPA die bekannten 50 mm-(Macro-)Switare her und fertigte für die Bolex von Paillard die nicht minder berühmten Switar-Cineoptiken. Diese Objektive mussten strengsten Anforderungen an mechanischer und thermischer Belastung widerstehen sowie Druckschwankungen ausgleichen. Nebst cleveren konstruktiven Lösungen wurden Spezialstahl und -Aluminium verwendet.

Die Switar-NASA-Objektive wurden auf einer 16-Millimeter-Filmkameras (DAC, Data Acquisition Camera) der Firma J.A. Maurer, Inc. aus Long Island City, New York eingesetzt. Mit dieser Kombination wurden unter anderem alle farbigen Filmsequenzen von der Mondoberfläche gedreht. Auch so berühmte Szenen wie der Anruf von Präsident Nixon und natürlich das Salutieren vor der US-Flagge wurden mit diesen Kameras festgehalten.

Die NASA orderte bei Kern Aarau insgesamt vier Brennweiten, die teilweise schon in der Erkundungsmission der Apollo 10 zum Einsatz kamen. Als erstes Objektiv wurde das NASA-Switar 10 mm mit Blende 1.6 gefertigt. Das 16-Millimeter-Format weist Dimensionen von 10.3 mm × 7.5 mm auf und die Bilddiagonale beträgt rund 12.75 mm oder ½ Zoll. Somit entspricht das 10 mm-Objektiv etwa einer Brennweite von 35 mm im Kleinbildäquivalent. Die angepasste Konstruktion basiert auf der entsprechenden Kino-Brennweite und war deshalb verhältnismässig schnell verfügbar. Auf den Objektiven werden die T-Werte als grösste Öffnung graviert.


Kern Aarau NASA Switare und Maurer 16-mm-DAC

Stadtmuseum Aarau, Sammlung Kern: Kern Aarau, NASA-Switare 18 mm und 180 mm
NASA: 16-Millimeter-Kamera Maurer DAC mit Switar 10 mm / 1.6 (T 1.8)



Das NASA-Switar 18 mm entsprach in etwa einer etwas längeren «Normalbrennweite» und war mit einer maximalen Blendenöffnung von 0.9 (T 1.0) sehr lichtstark. Hinzu gesellte sich sodann ein 75 mm mit Blende 2.2 (T 2.3). Die vergleichbare Brennweite auf Kleinbild entspräche hier einem Tele von beachtlichen 250 mm. Das noch längere 180 mm-Teleobjektiv mit Blende 4.5 (T 4.6) wurde nur in zwei Exemplaren gebaut und kamen wohl nie auf einer Mission zum Einsatz. Mit einem 600 mm-Äquivalent waren diese Optiken dann wohl doch etwas zu viel des Guten.

Insgesamt fertigte Kern 33 Stück des 10 mm-Switar, je 21 Stück des 18 und 75 mm-Switars und die erwähnten 2 Exemplare des 180 mm-Objektives. Die Kamera von Neil Armstrong mit montiertem 10 mm-Objektiv befindet sich in der Sammlung des National Air and Space Museum in Washington. Hierhin gelangte es erst nach dem Tod von Neil Armstrong, nachdem seine Frau die Kamera mit anderen Gegenständen fand.



SWITAR - Von Kern zu ALPA
Kern Aarau hat die Marke Switar noch während des Krieges im Januar 1944 in der Schweiz registrieren lassen. Die Hinterlegung in den USA erfolgte 1946. Unter diesem Markennamen fertigte Kern Aarau Cine-Objektive für die Bolex von Paillard und die Kleinbild-Alpa von Pignons SA. Im Jahr 1988 ging das Unternehmen in der Wild-Leitz-Gruppe (heute Leica Geosystems) auf.

Wohl im Zuge einer Bereinigung verlängerte Leica Geosystems die Markenregistrierung im Jahre 2004 nicht mehr. ALPA Capaul & Weber AG stiess im Rahmen von Markenrecherchen darauf und meldete die mittlerweile verwaiste Marke Switar im Sommer 2004 sofort wieder international an und lancierte bald das High-End-Mittelformatobjektiv ALPA / Schneider Apo-Switar 5.6/36 mm.

ALPA Capaul & Weber AG freut sich, im Jubiläumsjahr der Mondlandung neue Switar High-End-Cine-Optikreihe anzukündigen. Somit werden erstmals wieder Switar-Objektive für das Bewegtbild verfügbar. Die Objektive in PL- und LPL-Mount decken Bildkreise bis 70 mm ab und können somit grossformatige Cine-Kameras bedienen.

Unter dem Namen ALPA Platon bietet ALPA selbst auch eine 4k-Bewegbildlösung an, die auf den Digitalrückteilen H6D-100c von Hasselblad basieren. Mit einer genutzten Sensorfläche von rund 30 x 54 mm ist dies aktuell eines der grössten digitalen Aufnahmeformate für Bewegtbild. Und sinnigerweise treffen sich mit dieser Kombination von Switar und Hasselblad zwei Protagonisten – zumindest markenmässig - wieder, welche vor 50 Jahren an einem der gewagtesten technischen Unternehmen der Neuzeit beteiligt waren.


ALPA Switar Cine Prime 70 mm und ALPA Platon


ALPA: ALPA Switar Cine Prime 70 mm, 35 - 210 mm
ALPA: ALPA Platon mit Switar 80 und 35




Danksagung
Wir sprechen dem Stadtmuseum Aarau / Sammlung Kern und Herrn Rolf Häfliger sowie Herrn Aldo Lardelli unseren Dank für Informationen und Bilder zum Thema aus. Inbesondere Kern Aarau / Häfliger – Kern-Objektive für das Raumfahrtprogramm der NASA war von grossem Interesse.

Links
Kern Aarau / Häfliger – Kern-Objektive für das Raumfahrtprogramm der NASA
Stadtmuseum Aarau – Sammlung Kern
Smithsonian National Air and Space Museum – Omega Chronometer Neil Armstrong
Smithsonian National Air and Space Museum – Solar Wind Composition Experiment
Smithsonian National Air and Space Museum – Hasselblad 70mm Camera Apollo 11
Smithsonian National Air and Space Museum – Switar 18 mm-Objektiv und DAC-Kamera (*)
Schweizer Nationalmuseum – Schweizer Technologie auf dem Mond
Swiss National Museum – Swiss Technology on the Moon
Das Solar Wind Composition Experiment
The Solar Wind Composition Experiment
Flickr - NASA – Project Apollo Archive
NASA – Apollo 11 Lunar Surface Journal
NASA – Press Kit Apollo 11

(*) Anmerkung: Hier ist der Text des Smithsonian nicht ganz eindeutig. Das Objektiv wurde von Kern Aarau und nicht von Maurer hergestellt.


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