"Nachtschwärmer" eröffnet Fotografen-Treffpunkt in Berlin

04.2018 - Mit einer Ausstellung von ALPA-Fotograf Bernhard Schurian öffnet der Verein p: photography unlimited in Berlin Anfang Mai seine Türen. Schurians Serie "Nachtschwärmer" umfasst faszinierende Nahaufnahmen von fliegenden Insekten aus der ganzen Welt und bildet diese ungewohnt grossformatig ab. Die Aufnahmen entstanden im Zusammenhang mit einem Focus-Stacking-Projekt von ALPA und durch ein eigens dafür entwickeltes Kamera-Setup.

Die Ausstellung findet vom 4. Mai bis zum 17. Mai am Standort des Vereins an der Wilhelminenhofstrasse 68 A in Berlin-Oberschöneweide statt. Bereits einen Tag zuvor werden die Räume von p: photography unlimited berlin e.V. offiziell eröffnet. Zum Auftakt am Donnerstag, 3. Mai spricht Klaus Lederer, Stellvertreter des regierenden Bürgermeisters und Senator für Kultur und Europa in Berlin. Um sich für die Ausstellung anzumelden, wenden Sie sich bitte an [email protected]




Ausstellung "Nachtschwärmer"
von Bernhard Schurian


Vernissage / Eröffnung p:photography unlimited
3.Mai 2018 - 19Uhr

Ausstellung:
4. bis 17. Mai 2018
Öffnungszeiten: Mo–Do 16–20 Uhr, Fr–So 12–20 Uhr


Diogmites lindigii © Bernhard Schurian


Pressetext p: photography unlimited:

"Schon das deutsche Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm kennt den Nachtschwärmer in seiner heutigen zweiten Bedeutung und beschreibt den noctivagus nach Stieler als »nachtschwärmer, die den tag in nacht, und die nacht in tag veränderen«.

Der Berliner Fotograf Bernhard Schurian bildet Nachtschwärmer im eigentlichen Sinne ab, nämlich Insekten (eigentlich Schmetterlinge), die in Dämmerung und Dunkelheit fliegen. Ihn interessieren weniger die kleinen Quälgeister Berlin-Brandenburgischer Seen, sondern Prachtexemplare aus den Naturkundlichen Sammlungen der Welt. Taxonomisch hören sie auf so illustre Namen wie Sataspes tagalica und gehören zu den Sphingidae (Schwärmer) oder auf Exaerete frontalis, die grüne Orchideenbiene und Phytalmia alcicornis, eine Fruchtfliege mit Hörnern. Geografisch stammen sie aus Asien, aus Indien, Nepal, China und Thailand, aus Papua und Nordaustralien oder aus Mittel- und Südamerika.

Schurian porträtiert die Insekten so schillernd und glamourös wie die Nachtschwärmer der goldenen Zwanzigerjahre, die noch heute als Sinnbild des ausschweifenden Berliner Nachtlebens gelten. Prächtig und groß rückt er sie auf schwarzem Untergrund ins Rampenlicht, zeigt sie in Frontalansicht oder Dreiviertelprofil, als säßen ihm Menschen gegenüber. Das changierende Grün der Orchideenbiene hätte damals sicher für Aufregung gesorgt, ebenso das haarige Samtblau des Schwärmers mit der lateinischen Bezeichnung Sataspes tagalica. Riesengroß schauen uns die unterschiedlichen Insekten an, ein Sprung in den Verhältnissen von groß und klein, mit dem der Fotograf spielt und nicht zuletzt auf die Bedeutung von Insekten für das ökologische Gleichgewicht der Welt hinweist. Zugleich ist die Abbildungsgröße dieser zum Teil sehr kleinen Insekten das Merkmal der Fotografie von Bernhard Schurian, denn mit herkömmlicher Fototechnik ist es nahezu unmöglich, so kleine Lebewesen vom Fühler bis zur Schwanzspitze scharf abzubilden. Um die gewünschte Tiefenschärfe zu erreichen, nutzt Schurian die Stacking-Technik, bei der aus zum Teil vielen hundert Einzelbildern nur die jeweils scharfen Bereiche herausgetrennt und mithilfe von Software zu einer neuen, im gesamten Bildraum tiefenscharfen Aufnahme zusammengesetzt werden. Die Aufnahmen konnten nicht zuletzt durch die Präzision des Macrosystems und dem MacroSwitar-Objektiv des Schweizer Kameraherstellers ALPA, der das Projekt großzügig unterstützt hat, realisiert werden.

Die Ausstellungsprints wurden in den Werkstätten von p: berlin gefertigt. Mit der Ausstellung »Nachtschwärmer« von Bernhard Schurian wird exemplarisch deutlich, wie p: berlin arbeitet: Durch Kooperationen und Netzwerkarbeit fördern wir die künstlerische Fotografie über den normalen Werkstattbetrieb hinaus. Für p: berlin ist der schonende Umgang mit der Umwelt eine Prämisse des Handels, sodass wir mit dieser Ausstellung auch auf das Insektensterben der letzten Jahre verweisen wollen. Ein Grund mehr für p: berlin, der Faszination dieser kleinen Lebewesen zu erliegen und sie in der künstlerischen Form von Bernhard Schurian zu präsentieren."

Text: Christoph Tempel, Alexander Schippel, 29. März 2017




© Karsten Thielker

p: photography unlimited berlin ist nach eigenen Angaben die Berliner Vertretung eines internationalen Fotografie-Netzwerks. Die Institution soll eine Anlaufstelle für künstlerisch arbeitende Fotografen in Berlin bilden und unter anderem die gleichberechtigte Verbindung von analogem und digitalem Workflow fördern. Darüber hinaus dient der Verein als Werkstätte sowie Produktionsraum für Fotografie und entsprechende Fachbücher.

Links
Fotografenseite Bernhard Schurian
Portfolio Nachtschwärmer
Website p: photography unlimited berlin
WENN SELBST INSEKTEN GROSS WIRKEN: MAKROFOTOGRAFIE MIT ALPA
ALPA-Projekt am Museum für Naturkunde Berlin


© Karsten Thielker

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