Massimo Vitalis Wimmelbilder – Einblick in andere Welten

09.2020 - Massimo Vitali verwendet seit etlichen Jahren eine ALPA 12 XY. Ganz der sympathische Perfektionist, der er ist, besuchete er ALPA damals in Zürich, evaluierte seine Kamera, seine ersten Objektive und auch wie er seinen analogen Workflow auf digital umstellen kann. Seine Bilder sind so ikonisch wie er selbst anspruchsvoll ist. Es ist stets eine Freude mit ihm zu arbeiten und umso mehr freuen wir uns bei ALPA, dass das deutsche TV-Magazin "Titel Thesen Temperamente" des Ersten Deutschen Fersenehens ihm einen ausführlichen Beitrag gewidmet hat.

Texte und Inhalte: Das Erste/WDR, 27.09.2020
ttt - Einblick in andere Welten - Massimo Vitalis Wimmelbilder vom Strand


"Wenn es so richtig eng wird am Strand, wenn das Leben pulsiert und die Menschen sich drängen, dann ist Massimo Vitali in seinem Element. Der italienische Fotograf ist bekannt für seine grossformatigen Bilder von Stränden und Szenen des Massentourismus. Sein jüngster Fotoband "Entering A New World", 2019 im Steidl Verlag erschienen, bündelt sein Schaffen der vergangenen zehn Jahre: wunderbare Fotografien von Orten, an denen sich viele Menschen auf engem Raum tummeln. Mit dem Blick von heute sind es Erinnerungen an eine unbeschwerte Zeit, als "social distancing" noch ein Fremdwort war. ttt hat Massimo Vitali nach dem Lockdown in Düsseldorf getroffen.


"Ich bin ein abscheulicher Voyeur"

"Der Strand ist der perfekte Ort, um die Menschheit zu studieren. Die Leute wollen am Strand ihre Sorgen hinter sich lassen, hier können sie bewusst nicht denken, einfach in der Sonne liegen." Der Strand ist seit Jahrzehnten Massimo Vitalis Welt. Aus der Distanz aufgenommen, stecken seine monumentalen Wimmelbilder voller kleiner Geschichten. "Ich liebe es einfach, Menschen zu beobachten, ich bin total verrückt danach. Ich erfinde die unglaublichsten Geschichten über ihr Leben, wenn ich sie beobachte, und dann mache ich ein Foto. Im Grunde ist das nur eine Entschuldigung, weil ich ein abscheulicher Voyeur bin."

1944 in Como geboren, ging Massimo Vitali in den 1960er Jahren nach London, um am College of Printing Fotografie zu studieren. Er arbeitete zunächst als Fotojournalist für verschiedene Magazine und als Kameramann für Film und Fernsehen. Anfang der 1990er Jahre entschied er sich für die Kunstfotografie. 1995 begann er seine "Beach Series", die ihn berühmt machte. Seine Werke sind in den grossen internationalen Museen zu sehen, unter anderem im Guggenheim Museum in New York, im Centre Pompidou in Paris, im Stedelijk Museum in Amsterdam und im Centro de Arte Reina Sofía in Madrid.


Verrückt nach Details

"Ich betrete im Grunde auf eine merkwürdige Weise die Welt anderer Menschen", sagt er. Seine Motive findet er nicht nur am Strand, sondern auch beim Wintersport, in Diskotheken oder an Touristenhotspots. Oft wartet er Stunden auf den richtigen Augenblick. "In meinen Bildern gibt es Hunderte von unbedeutenden kleinen Fakten. Mit ihrer Hilfe kann man eine Idee davon bekommen, wer wir sind, was wir denken und was wir sein werden."

Seine riesigen Tableaus lässt er in einem international renommierten Fotolabor in Düsseldorf drucken. "Ich bin verrückt, was die Details angeht, ich will alles sehen. Deswegen muss ich auch nach Düsseldorf kommen, denn ich bin sehr wählerisch, was die technische Seite meiner Fotos angeht, und hier arbeiten wir gut zusammen."


Chronist der Gemeinschaft

Seine Reise an den Rhein war die erste seit dem Lockdown in Italien. Während der Coronakrise hat er sein Haus in Lucca wochenlang kaum verlassen. In seinem Bekanntenkreis sind mehrere Freunde gestorben. Im Frühsommer hat er begonnen, die neue Situation zu fotografieren. "In Italien hat der Lockdown die Menschen auch zusammengeschweisst, ich weiss nicht, ob das noch so ist, aber ich denke schon", sagt der Chronist der Gemeinschaft. "Ich möchte einfach glauben, dass das so ist. Ich bin immer optimistisch."





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