Hans Rupp dokumentiert Jahrhundertebau in Lissabon

11.2017 - Seit 222 Jahren wartet Portugal auf die Fertigstellung des Nationalpalasts im Lissaboner Stadtteil Ajuda. 2018 soll die realisierte Hälfte des Gebäudes endlich mit einem standesgemässen Abschlussbau ergänzt werden - so zumindest sieht es der aktuelle Zeitplan vor. Die einzelnen Räume des Palasts werden im Zuge des Projekts renoviert und teilweise anders gestaltet. Der Schweizer ALPA-Fotograf Hans Rupp erhielt zusammen mit der "Hoffotografin" Maria Pedro Fonseca exklusiv Zugang zum Palast, um den bisherigen Zustand möglichst umfassend zu dokumentieren. Die Fotografin Rosa Araci, ebenfalls bestens vertraut mit ALPA Kameras, zeichnete die Arbeit der beiden auf.

Schon die Monate vor dem Start des Projekts im Sommer 2017 verbrachten die Fotografen vor Ort, um die Bedingungen zu sowie das Vorgehen und Setup für die ALPA 12 MAX darauf abzustimmen. In dieser Vorbereitungsphase des Projekts verwendete Hans Rupp als Objektiv meistens ein Rodenstock / ALPA HR Alpagon 4.0/32 mm FPS SB17 mit elektronischem Verschluss und als Steuergerät ALPA Silex. Dieses Setup bewährte sich, so dass es auch während des Projekts die erste Wahl der Fotografen war.


Auslegeordnung: ALPA-Ausrüstung für das Projekt im Palacio Nacional. © Hans Rupp

„Die grösste Herausforderung war der begrenzte Raum“, sagt Rupp zu den Eigenheiten des Projekts. Die Mehrheit der Säle ist verhältnismässig eng. Dies machte es schwierig, Tiefe zu erzeugen. "Die kleineren Räume messen etwa 10 auf 10 Meter und waren damit für unsere Aufnahmen eher klein. Die Distanz zwischen Kamera und Sujet war also kurz, wodurch die Einstellung der Schärfe an Bedeutung gewann. Auf den Bildern der grossen Säle sieht man den Unterschied: Hier kommen auch die Tiefe und das fotografische Handwerk insgesamt besser zur Geltung.“

Perfekt geeignet für Rodenstock eShutter 250 und ALPA eShutter Control

Unterstützt wurde Hans Rupp bei seinem Projekt in Lissabon von den technischen Partnern Rodenstock und ALPA. Die Objektive von Rodenstock zeichnen sich bekannterweise durch ein ausgezeichnetes Auflösungsvermögen aus und bieten durch den grossen Bildkreis die Möglichkeit zum Shiften. Für die eigentlichen Aufnahmen im Palast stellte Rodenstock neben der erwähnten 32er- auch die 90er-Optik zur Verfügung. Beide sind für die speziellen Innenaufnahmen perfekt geeignet und waren darüber hinaus mit dem elektronischen Verschluss eShutter 250 Rodenstock ausgerüstet.

Der eShutter 250 lässt sich in sämtliche Objektive von Rodenstock beziehungsweise Rodenstock / ALPA einbauen. Er dient dazu, die Blende und den Verschluss der Kamera fernzusteuern. Die maximale Belichtungszeit des eShutters 250 beträgt dabei 126 Sekunden. Im Einsatz zeigen sich für Fotografen durch den Einsatz des eShutters 250 drei klare Vorteile gegenüber einem herkömmlichen Copal-Objektiv:

• Komfortables Arbeiten bei langen Belichtungszeiten
• Einfaches Durchführen von Belichtungsreihen und Bracketing
• Bequemes (Fern-)Auslösen bei schwierigen Kamerastandorten

„Nachdem bei den Lichtverhältnissen im Palast immer Langzeitbelichtungen und vor allem Belichtungsreihen nötig waren, stellte das aus unserer Sicht ein hervorragendes Anwendungsfeld für den eShutter 250 dar“, lautet das Fazit von Ralph Rosenbauer, der die Entwicklungsabteilung bei ALPA leitet und das Projekt von Anfang an begleitet hat. „Durch die überaus reiche und wertvolle Inneneinrichtung des Palastes mit all den (Wand-)teppichen, Vasen, Leuchtern lassen sich die Auflösungsvorteile einer Mittelformat-Systems mit Rodenstock-Optiken wunderbar zeigen.“


Hans Rupp bei der Arbeit mit der ALPA 12 MAX. © Hans Rupp


Machte den Zugang zum Palast möglich: "Hoffotografin" Maria Pedro Fonseca. © Hans Rupp

Gegenüber dem Vorgänger Rodenstock eShutter 125 unterscheidet sich die neue Lösung abgesehen von der Geschwindigkeit (1/250 s statt 1/125 s) auch in der Handhabung. Der eShutter 250 lässt sich künftig über den Handgriff ALPA eControl bedienen, während bisher ein Computer oder die Kontrolleinheit Sinar eControl dazu nötig war. Vor allem im Einsatz ausserhalb des Studios wird ALPA eControl die Arbeit von Fotografen weiter vereinfachen, indem der Handgriff nicht nur Platz und Gewicht spart, sondern vor allem die Steuerung direkt an der Kamera erlaubt.

Der Rodenstock eShutter 250 in Form einer Umbauoption mit Aufpreis ist auf Anfrage für alle ALPA / Rodenstock Objektive bei ALPA verfügbar. Der ALPA eControl-Handgriff wird demnächst bei ALPA erhältlich sein. Über beides werden wir an dieser Stelle informieren.


Handgriff ALPA eShutter Control an Hans Rupps ALPA 12 MAX. © Hans Rupp

Der Palast: Ein Spiegel der Geschichte

Bis das Resultat des Fotoprojekts von Hans Rupp zu sehen ist, muss man sich ebenfalls noch etwas gedulden. Das Projekt ist mittlerweile abgeschlossen und soll in Form einer Ausstellung der Öffentlichkeit präsentiert werden. "Wenn Leute Details auf Fotos betrachten, nehmen sie diese anders wahr als in der Realität", sagt Rupp. Seine Faszination für das Projekt gründet im historischen Kontext und im Charme des Gebäudes. "Am Palacio fesselt mich unter anderem der öffentliche Museumscharakter. Einige der Räume sind zudem nicht bloss Ausstellungsobjekte, sie werden auch verwendet. Der grosse Speisesaal etwa dient für offizielle Empfänge der Regierung."


Bild vom grossen Speisesaal im Palacio Nacional de Ajuda. © Hans Rupp



WAITING FOR THE QUEEN WB from rupp.pictures on Vimeo.


Die Entstehungsgeschichte des Gebäudes führt zurück auf das Erdbeben von Lissabon. 1755 zerstörte es praktisch die ganze Stadt inklusive der damaligen Königlichen Residenz, dem Palácio da Ribeira, am Flussufer des Tejo. Die Dringlichkeit, einen neuen Palast zu bauen und die Tatsache, dass die Königliche Familie die Katastrophe überlebte, weil sie sich im vom Erdbeben kaum betroffenen Stadtteil Belém/Ajuda aufgehalten hatte, waren wahrscheinlich Gründe, dass die Wahl für den Neubau des Palastes auf den Gemeindebezirk Ajuda fiel. Aus Angst vor weiteren Erbeben wurde der erste Palast aus Holz gebaut, 1761 bezogen und erhielt den nicht sehr schmeichelhaften Übernamen «Real Barraca» oder königliche Baracke. 1794 zerstörte ein Feuer das Gebäude und einen grosser Teil seiner wertvollen Ausstattung.

Danach liessen ihn die Herrscher in seiner heutigen Form wieder erstellen. Allerdings ruhte der Neubau mehrfach. Finanzielle Probleme, politische Umwälzungen und als Tiefpunkt die Flucht der königlichen Familie 1807 vor den Napoleonischen Truppen nach Brasilien durchkreuzten die Pläne der Bauherren. Als Dom João der VI. 1821 mit seinem Hof aus Brasilien zurückkehrte, war der Palast immer noch nicht fertig und konnte nur für protokollarische Zeremonien genutzt werden.


In diesem Raum erzählt das Wandbild rechts von der Rückkehr Dom Joaos des VI. © Hans Rupp


Zwei Kunstwerke: Die ALPA 12 FPS mit angeschlossener Kontrolleinheit Silex vor einer Staute in der "Sala dos grandes Jantares". © Hans Rupp

Zwei Jahre später wählte König Miguel den Palast von Ajuda als Residenz und forcierte die Fertigstellung. Um die Bauarbeiten nicht zu behindern, zog er in den Palast das Necessidades im Bezirk Estrela, kehrte jedoch nie wieder zurück. Mit König Luís gewann der Palast von Ajuda dann endlich Leben. 1862 heiratete Luís die Prinzessin von Savoyen, die Tochter des Italienischen Königs Vittore Emanuele II. In selben Jahr begannen Änderungen der Innendekorationen. Parkettböden, Wandmalereien, Stuckdecken und neues Mobiliar für die Säle wurden ausgewählt. Die Hochzeitsgeschenke aus Italien dienten ebenfalls der neuen Dekoration.

Als letzter Bewohner des Palasts von Ajuda gilt König Manuel II. Er war der Sohn von Dom Carlos, welcher 1908 in Lissabon einem Attentat zum Opfer fiel. Manuel II. konnte sich nicht lange auf dem Thron halten. Er dankte 1910 ab, verliess den Palast und ging ins Exil. Dies war gleichzeitig das Ende der portugiesischen Monarchie. Für die Bevölkerung Portugals spielte Manuel aber bereits kaum mehr eine Rolle. Als letzter König gilt für sie Dom Carlos. Noch während der Diktatur wurde 1968 der Palast der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, um ihr Einblick in das Königshaus des späten 19. Jahrhunderts zu gewähren.




Die prächtige Bibliothek auf dem Palast-Areal. © Hans Rupp


Setup mit der ALPA 12 MAX und dem Steuergerät ALPA Silex für die Bibliothek. © Hans Rupp

Seit 1996 werden Säle und Einrichtungen nach strengen Vorgaben der historischen Forschung restauriert. Im Jahr 2013 wurde Dr. José Alberto Julinha Ribeiro als neuer Direktor des Palazzo Nacional da Ajuda gewählt. Sein Ziel ist es, dem Palast die gebührende Bedeutung, den er in der Portugiesischer Geschichte hat, zurückzugeben. Dank seiner Zustimmung ist die Arbeit der Fotografen im Palast erst möglich geworden.

Gebaut wurde bis heute nur weniger als die Hälfte des Palasts. Dieses Jahr haben die Verantwortlichen mit den Arbeiten zum Abschluss auf der unvollendeten Westseite begonnen. Die Visualisierung unten zeigt, wie der 15 Millionen teure Abschlussbau aussehen soll. Die Besucher erhalten künftig von Westen her Zutritt zum Gebäude und werden neuerdings auch die portugiesischen Kronjuwelen bestaunen können.


Visualisierung des fertigen Baus von Westen her.

Links
Website Palacio de Ajuda
Website Hans Rupp / Linpix

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